Die Schleppjagd - ein unblutiger Sport.

In vielen Reitvereinen ist es Tradition, im Herbst eine "Jagd" zu veranstalten. Während in England, Irland und Frankreich zu Pferd auf lebendes Wild gejagd wird, wurde in Deutschland die Wildjagd bereits 1934 von der Schleppjagd abgelöst. Die Schleppjagd ist unblutig - es wird nicht auf lebendes Wild gejagt, sondern zu Pferde eine Hundemeute verfolgt, die auf einer künstlichen Fährte geht. Schleppjagd heute ist Sport und Freizeitvergnügen, aber auch die Pflege von Traditionen und Brauchtum.

 
Der Hintergrund der Schleppjagd in Deutschland ist international geprägt: Man reitet englisch in flottem Galopp hinter schnellen Hunden und über Hindernisse, folgt französischen Zeremonien und Musik-Signalen, die aus der Hirsch- und der Parforcejagd des Mittelalters stammen, und ehrt die Reiter nacht deutschen Ritualen aus der grünen Jagd. So erhalten die Teilnehmer im Anschluss an den Ritt und nach der Belohnung der Hunde vom Jagdherrn oder seiner Dame einen "Bruch" als Andenken überreicht. Vor dem Hubertustag , dem 3.November, besteht dieser aus einem Eichenzweig, danach aus Fichte.

Der Begriff "Schleppjagd" rührt übrigens daher, dass früher die Schleppenleger eine Kugel oder einen Schwamm, welche mit Duftstoffen präpariert waren, manchmal auch ein Hirschkeule, an einem Seil hinter sich herzogen.

 

Heute wird ein flüssiger Duftstoff - in unserer Meute ist es Pansenlauge, bei anderen Meuten Fuchslosung, Heringslake, Fenchel oder auch Anis - in einem Kanister am Sattel oder an der Satteldecke mitgeführt, aus dem vom Schleppenleger der Duftstoff auf die Strecke getropft wird. Einige wenige Meuten, begnügen sich auch mit der Naturfährte, d.h. dem Geruch der Pferdehufe des Schleppenlegers.

Es obliegt dem Schleppenleger und den Organisatoren der Schleppjagd, die Flucht-Taktik des gejagten Wildes möglichst gut und naturnah zu simulieren. Durch eine geschickte Planung der bestimmbaren Streckenführung, kann so auch in dichter besiedelten Gebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet ein sportlich aufregender Ritt hinter den Hunden organisiert werden.

 

Wenn die Turnierreiter die "Grüne Saison" beenden und Ihre Jackets in den Kleinderschrank hängen, dann holen die Jagdreiter Ihre Jagdröcke heraus. Raus aus der Halle, genug mit dem Rundendrehen auf dem Dressurplatz, raus aus der Enge des Parcours! Wenn die Landwirte die Ernte eingefahren haben und die Wälder sich rot und golden färben, wenn der Morgennebel sich hebt, wenn die Luft klar ist und das Jagdhorn zum Stelldichein ruft, dann sind besonnenes aber mutiges Vorwärtsreiten, Ausdauer und Entschlußkraft gefragt!

 

Inga Krugmann-Randolf beschrieb die Faszination des Jagdreitens mit folgenden Worten: "Wer das Brauchtum kennt und die Rituale beherrscht, gehört zu dem kleinen Kreis der Eingeweihten, die Anschluß haben an eine einst den Aristokraten vorbehaltene höfische Kultur. Dieser Hauch von Feudalismus, der besonders die Jagdreiterei hinter Hunden umgiebt, ist in einer etablierten Demokratie besonders suspekt und attraktiv zugleich. Für das erhöhende Gefühl, zu einer als elitär geltenden Gruppe zu gehören, zu der schon von den äußeren Voraussetzungen nicht jeder gehören kann, nimmt manch einer den Bammel vor den Gräben und Tiefsprüngen in Kauf. Zumal er für seinen einsamen 'Kampf ums Dasein' belohnt wird, wenn nach überstandener Jagd am Halali ein hochgestimmtes Wir-Gefühl sich verbreitet". (aus "Handbuch Jagdreiten")

 
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