Fuchsjagd in Galway/Irland am 16.02.2019 

 
 
 
Meute:County Galway Hunt „The Blazers“, Foxhounds
Anzahl Teilnehmer: ca. 70 Reiter

 

 

 
 
 
Die Jagd begann mit einem urigen, typisch irischem Stelldichein im Pub. Nach einem/mehreren auflockernden Hot Whiskey warteten wir relativ lange angespannt auf unsere Pferde, die von Johnny Geoghean, den wir bis dato nicht persönlich kannten, angeliefert werden sollten. Da auch noch mehrere Mitreiter auf Johnny warteten und uns versicherten, dass er bereits unterwegs sei, waren wir aber nicht in zu großer Sorge. Tatsächlich war Johnny aber auch der Fieldmaster des Tages, wie wir erst später erfuhren, und die Jagd hätte ganz sicher nicht ohne ihn und somit auch nicht ohne uns begonnen. Die Übergabe der Pferde war denkbar schlicht: Johnny brachte für jeden von uns ein gesatteltes Pferd aus dem Transporter, drückte uns die Zügel in die Hand, „here is yours, have fun“, das war´s. Wenige Minuten später ging es dann sofort los. Wir reihten uns von Beginn an relativ weit vorne im großen Reiterfeld (an diesem Tag gingen ca. 70 Reiter an den Start) ein und dies konnten wir auch während der Jagd so beibehalten. Ca. 50 Meter hinter dem Pub auf der Hauptstrasse des kleinen Ortes begannen wir sofort zu traben, „Hacking“ genannt. Nach 2,5 Km bogen wir ab auf einen Wirtschaftsweg und dann wurden die Hounds sofort in ein erstes Covert („Dickung“) zum Stöbern gelassen. Dies zog sich hin und wir ritten relativ lange Zeit von Covert zu Covert. Hierbei standen wir immer wieder eine ganze Weile, konnten allerdings auch oft sehr gut den Hunden und der Equipage bei der eigentlichen Arbeit, dem Stöbern, zuschauen. Für einen passionierten Jagdreiter also absolut keine „vergeudete“ Zeit.
Die Hounds der Blazers sind sehr colorierte Foxhounds weitgehend im modernen leichten Typ. Sie sind sehr agil und eifrig und eher nicht so groß, was es wahrscheinlich leichter macht, auch im dichten Dickicht den Füchsen nachzugehen. Die Hunde zeigten sich jedenfalls in absolut sehr guter Form und jagten sehr passioniert.
Nach 2 Stunden hatten wir erst ca. 7 Km Strecke zurückgelegt. Wir waren in einem sehr starken Dickicht und sahen keine Hunde, konnten diese aber einmal zumindest kurz hören. Wie ich später in einem Gespräch mit dem Huntsman rekapitulieren konnte, erfolgte hierbei der erste Kontakt mit einem Fuchs und endete mit einem direkten Kill ohne Run. Davon bekamen wir als Reiter im Feld außerhalb des Dickichts aber nichts mit. So ging es weiter. In einem Covert zeigte sich der Huntsman beharrlich und schickte die Hunde immer wieder von mehreren Seiten hinein. Dann plötzlich schlugen die Hund wieder an. Bewegung im Dickicht und ein Fuchs passierte kurz die Freifläche dicht gefolgt von einem Trupp der Hunde. Schnell waren Fuchs und Hunde wieder im Dickicht verschwunden. Dort erfolgte der zweite Kill des Tages. Auch hier hatten wir als Reiter keinen längeren Run. Dennoch war es ein Erlebnis, so dicht am eigentlichen Jagdgeschehen dran zu sein. Dies hatten wir unserem hervorragenden Field Master Johnny zu verdanken, der sich nicht nur sehr gut in der Gegend auskannte, sondern das große Feld mit souveräner Autorität führte. Bei der Jagd in diesem Gelände ist es extrem ratsam, genau der Linie des erfahrenen Field Masters über die Mauern zu folgen, denn nicht immer ist einsehbar, was sich auf der Rückseite einer solchen Mauer befindet. Johnny achtete sehr genau darauf und ein paar Übermütige, die sich an anderer Stelle im Springen über eine Mauer versuchten, handelten sich direkt einen irischen Klartext-Verweis sozusagen als „gelbe Karte“ ein. Das Jagdfeld ritt in der Folge dann ausnahmslos sehr diszipliniert.
Wieder ging es weiter. Im späteren Verlauf gab es nochmals einen Fuchskontakt (auch mit Kill), der dem Reiterfeld auch einen Run bot. Bei dieser Gelegenheit durchquerten wir auch eine Viehweide mit Kühen, die das Geschehen mit Fassung in Reih und Glied nebeneinander stehend betrachteten! Wir sahen zu, dass wir zügig weiter ritten.
Insgesamt aus Sicht der Meute ein sehr effektiver Tag, three fox day, wenngleich der Huntsman etwas traurig war, dass wir trotzdem keinen für Galway typischen Long Run erleben konnten. Dennoch war es für uns reiterlich eine sehr spannende Angelegenheit und bei den kürzeren Galopps im Gelände konnten wir auf der Wegstrecke ca. 25 Steinmauern und auch ein paar andere Hunt Jumps zwischen den Weiden überwinden. Dann ging es auf den Rückweg.
Dieser bot noch ein etwas anderes Abenteuer:
Das Gehöft von Johnny war auf dem Weg und dort gaben wir direkt unsere Leihpferde ab. Die Frage war nun, wie die Reiter von dort zurückkommen sollten. Dies wurde auf irische Art sehr einfach gelöst: Zusammen mit einem Pferd kamen alle Reiter an Bord der Ladefläche des großen Pferdetransporters (Hunter Class sozusagen). Das funktionierte gut und nach kurzer aber sehr lustiger Fahrt waren wir wieder vor dem Pub und stiegen munter zur Verblüffung einiger Zuschauer die Rampe des Transporters runter. Im Pub ließen wir noch einmal glücklich und gelöst diesen sehr spannenden Jagdtag Revue passieren. Ein sehr schönes Erlebnis.
 
 
Chronist: Willibald Müller