Knigge in Rot

„Eine Legende mit Zukunft“ schreibt der RWS ( Rheinisch-Westfählische-Schleppjagdverein).
Brauchtum und Tradition ist das, was die Generationen verbindet, zwischen Vergangenheit und Zukunft Kontinuität stiftet, heißt es in Meyers Neuem Lexikon von 1981.
Im Vordergrund des Jagdreitens steht „Freude“ im gemeinsamen Erlebnis mit der Natur, den Hunden, den Pferden aber auch den Menschen untereinander.
Ohne Spielregeln aus verschiedensten Bereichen wie z.B. des Brauchtums, der Jagdordnung, des Tierschutzgesetzes und des menschlichen Miteinanders wäre das Jagdreiten ein Chaos. Man kann auch sagen, je disziplinierter, gepflegter, ordentlicher, rücksichtsvoller und liebevoller miteinander umgegangen wird, umso mehr „Freude“ haben alle Beteiligten am Jagdreiten.

„Der Knigge in Rot“

ist ein Beitrag für unsere Taunusmeute, damit wir zukünftig mit guter Leistung, Profil und innerer Harmonie noch mehr Freude untereinander und miteinander haben.

„Der Knigge in Rot“

Der Master teilt die Mitglieder der TM am Jagdtag in der Equipage und den Schleppenleger ein.

Die Equipage sitzt auf und stellt sich im Halbkreis auf, damit die Hunde aus dem Bus herausgelassen werden können.

Es empfiehlt sich gleich in der richtigen Richtung und Position zu stehen, damit beim Abreiten von Anfang an Disziplin herrscht. Leckerli liegen an der bevorzugten Stelle.

Der Master sitzt ebenfalls auf und übernimmt das Kommando.

Die Meute reitet zum Stelldichein und der Master zieht seine Kappe zum Gruß ab, nicht jedoch die Equipage. Sie umstellt die Meute kreisförmig.

Die Jagdgesellschaft stellt sich halbkreisförmig um die Meute und Equipage.

Die Equipage wirkt ruhig und gelassen auf die Meute ein, Gespräche werden eingestellt.

Der Jagdherr hält seine Begrüßungsrede.

Der Master stellt die Equipage und die Meute vor. Die Herren ziehen nacheinander die Kappe, wenn sie vorgestellt werden.

Die Jagd wird vom Stelldichein bis zum Curéé von Jagdhornbläsern begleitet, die die jeweils entsprechenden Signale blasen.

Master und Equipage führen die Hunde auf die Strecke und schließlich zum Anlegepunkt.

Schleppenleger und Begleiter reiten voraus und geben frühzeitig dem Master Hinweis auf den Anlegeplatz.

Ruhe und Aufmerksamkeit ist jetzt gefragt, denn Hunde und Pferde wollen so schnell wie möglich auf die Schleppe.

„Ablegen“ heißt das Kommando des Masters. Die Equipage stellt sich im Halbkreis um die Meute und hält die Hunde durch ruhige Stimme und mit der Hetzpeitsche zurück.

Der Master gibt Schleppenleger und -begleiter das Zeichen zum Abreiten.

Nach einigen Minuten und sicherem Abstand zum Schleppenleger gibt der Master das Kommando „Sucht, die Hunde“

Die Equipage rollt die Hetzpeitsche ein.

Sobald die Hunde sicher auf der Fährte liegen, ruft zunächst der Master und dann die Equipage „Gute Jagd“. Jeder hält seine Position, niemand überreitet seinen Vordermann.

Am Ende der Schleppe werden die Hunde vom Schleppenleger abgeschlagen.

Mit Disziplin und konsequentem Handeln wird möglichst lautlos die Formation wieder hergestellt. Sie gleicht dem V-förmigen Flug der Kraniche ( aber nicht wie eine 1, sondern wie ein V ). Durch das das Rufen des Masters mit dem Rufhorn und die V-förmige Zugrichtung der Equipage sind die Hunde schnell wieder im Pack zwischen  den Reitern. Lautes Geschrei und knallende Hetzpeitschen wirken hier ebenso unprofessionell wie z. B. mehrmaliges Anreiten eines verweigerten Sprunges.

Nach 3-5 Schleppen gibt es einen Stopp.

Wieder steht die Equipage kreisförmig um die Hunde. Nachdem der Master „Equipage bitte absitzen“ gesagt hat, gilt es die Pferde abzugeben.
Es empfiehlt sich bereits vor dem Jagdbeginn „Pferdehalter“ zu organisieren, soweit dies nicht bereits durch den Veranstalter geschehen ist!
Da in der Regel für die Verpflegung der Equipage gesorgt wird, gibt es nur noch einen Grund die Hunde bzw. seinen Platz zu verlassen, und diesen kann man nacheinander regeln.
Es sieht viel schöner aus, wenn die Hunde am Stopp geschlossen stehen, als wenn sie durch die Zuschauer laufen und nach Würstchen Ausschau halten.
Aber auch dies ist nur möglich, wenn die Equipage ihren Auftrag wahrnimmt.
Nach einer angemessenen Pause ruft der Master: „Equipage bitte aufsitzen“.
Der Ordnung halber empfiehlt es sich gleich wieder die vergebene Position einzunehmen.

Es folgen wieder 3-5 Schleppen, wobei am Ende der letzten Schleppe der rechte Handschuh mit erhobenem Arm hochgehalten und laut: „Halali, Halali, Halali „ gerufen wird. Das ausziehen des Handschuhs war früher zum Ausheben des Wildes erforderlich. Händedrücken und Umarmungen sind an dieser Stelle nicht erwünscht.

Die Hunde werden zum Halaliplatz geführt, das Halalifeuer weist uns den Weg.
Die Equipage umkreist die Hunde, der Master ruft: „Equipage bitte absitzen“. Die Pferde werden vom Pferdehalter übernommen.

Zuerst werden die Brüche verteilt, wobei darauf zu achten ist, dass der Master als erster seinen Bruch erhält. Als Zeichen einer erfolgreich gerittenen Jagd wird der Bruch angesteckt.
 
Der Master bittet den Jagdherren zu sich und begibt sich zum Curéé der Hunde.
Durch das Blasen mit dem Rufhorn gibt der Master die Meute frei.
Die Herren ziehen als Dank an die Hunde die Kappe.
Entweder der Master oder ein von ihm bestimmtes Equipagemitglied richtet nun seine Dankesworte an die Jagdgesellschaft, den Veranstalter, die Hunde und endet mit einem dreifachen: „Horrido“ - „Joho“-.
Der Master bedankt sich per Handschlag bei jedem einzelnen Equipagemitglied für die geleistete Arbeit.

Zum Abschluss der Arbeit gehört nun den Hunden und später natürlich auch den Pferden unsere vollste Aufmerksamkeit.

Nach dem Curéé werden die Hunde geschlossen von allen Equipagemitgliedern zum Kennel oder Bus geführt und eingeladen. Die Arbeit ist erst dann vollendet, wenn der letzte Hund eingeladen ist. Die Reiter verlassen den Platz erst nachdem die Hunde weggeführt wurden.

Schlussbesprechung:

„Jagdreiten" ist eine Mannschaftssportart und ähnlich wie beim Fußball oder anderen Sportarten ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen über folgende Dinge zu sprechen:
Was war gut
Was war nicht so gut
Wo müssen wir besser werden.

Kritik, Lob, Anerkennung muss jetzt besprochen werden, weil wir unter uns sind. Jetzt ist die Gelegenheit über alles zu reden, um bei der nächsten Jagd noch professioneller zu sein und noch mehr Freude beim Jagen zu haben.
Danach ist „Schweigen“ angesagt bis es wieder heißt:

„Gute Jagd“.

Verfasser: Klaus Felgenhauer